Erfahrungsbericht Drago 601 WB: Main

Boot:DRAGO 601
Motor:HONDA BF 80
Fahrgebiet:Main
Besatzung:
Bootserfahrung:

Wer was sehen will, muss Schleusen (oder Slippen)

Als Bootsneuling mit recht geringer Fahrpraxis bin ich auch im 2. Jahr als Eigentümer einer Öchsner 601 sehr zufrieden mit meiner Wahl. Das Boot ist handlich und kann zum Glück auch noch mit Körperkraft bewegt werden.
Meine zweite Saison war leider aufgrund des regnerischen Sommers in diesem Jahr recht kurz, sodass wir leider nur rund 20 Stunden auf dem Wasser verbracht haben. Aber es ist immer wieder das gleiche – wenn man mit dem Boot mit 12 – 15 km/h dem Fluss entlangfährt, taucht man in eine andere Welt ein. Man entschleunigt total – ein Miniurlaub für die Seele. Es gibt auf dem Main wirklich sehr schöne Flussabschnitte. Ich muss gestehen, dass ich mich im ersten Jahr meiner Lernkurve hauptsächlich zwischen den beiden Schleusen bewegt habe, wo mein Heimathafen liegt. Der Spannungsbogen nimmt dann mit der Zeit ab. Aber bereits im letzten Jahr hatten wir das Glück, mit einem Vereinsmitglied das Schleusen zu üben. Mein Boot hat mit einer Breite von 2,24 m den Vorteil, dass es gerade noch in die Bootsschleuse passt. Einen eigenen Schleusenhaken hatte ich mir auf Empfehlung bereits sehr früh gekauft. Neben der Bootsschleuse hatten wir auch die große Schleusenkammer geübt.
Mein Fazit: Fahrtechnisch anspruchsvoller ist die Bootsschleuse. Es muss jemand vom Boot absteigen und wieder aufsteigen, in der Kammer ist es sehr eng und somit hängt man schnell an der Wand. Die Fender drückt es gerne einmal weg.
Gefährlicher ist die große Kammer, insbesondere wenn man mit einem Motorschiff gemeinsam in der Kammer ist und bei der Ausfahrt zu früh hinterherfahren will. Die Strudel der Schiffsraube, die das Motorschiff verursacht, sind echt übel. Bei Youtube gibt es einige Beispiele, wie schnell so etwas schief gehen kann. An einem Sonntag war der Schleusenwärter so nett und hat uns, nachdem er ein Güterschiff bergwärts geschleust hatte, in die Kammer gelassen, weil noch ein Flusskreuzfahrtschiff vor der Schleuse gewartet hat das ebenfalls bergwärts weiterfahren wollte. Als das Schleusentor am Ende des unserer Schleusung aufging und wir eigentlich ausfahren wollten, blieb die Ampel für mich auf Rot. Ich musste das Boot anhalten, das Riverboat gab bereits einen Signalton ab. Mir wurde sehr mulmig zumute und ich griff zum Handy, um beim Schleusenwärter anzurufen. Dieser hatte wohl durch den Signalton das Versäumnis bemerkt und schaltete mein Ausfahrtsignal schließlich auf Grün. Jedoch kam ich nicht um eine Beschimpfung durch den Kapitän des Flusskreuzers herum, als wir diesen passiert haben. Aber immer noch besser, als wenn er losgefahren wäre, bevor ich die Schleusenkammer verlassen hatte.
Aber dennoch – das Schleusen lohnt sich. Man lernt neue Ansichten des Flusses kennen und erhält sich die Spannung eines schönen Hobbies.